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Angeltagebuch

19.09.2016 10:28 von Matze Koch

Tippditippditipp

Wer Tagebuch führt und wichtige Eckdaten festhält bekommt schneller ein Bild von seinem Gewässer und hat oft die Nase fangtechnisch vorn

Auf unseren Seminaren

 

...vermitteln wir unter anderem immer wieder die Wichtigkeit eines Tagebuchs. Das muss nicht ausgeschmückt sein, einige Eckdaten über Wetter, Wasser und Fänge genügen, um sich nach einigen Jahren ein besseres Bild vom Hausgewässer machen zu können.

 

Das dabei auch ein Vorzeige Projekt herauskommen kann, bewies jetzt Karpfenseminarteilnehmer Daniel Lindhorst. Da können selbst Bernd und ich nicht mithalten. Akribisch hielt Daniel alles fest, und fing!

 

Bernd und ich, wir schreiben nicht nur relevante Dinge auf, sondern auch Tierbeobachtungen oder lustige Ereignisse - beim Tagebuch von Daniel können wir allerdings nicht mithalten.

 

Und hier mit Daniels freundlicher Erlaubnis ein Auszug für Euch, das Layout kann ich hier leider nicht wiedergeben, auch hat er regelrecht professionell angelegt:

 

Karpfenwetter - Beginn 13.08.16 9:45, Ende 14.08.16 13:00

 

 

Beköderung

 

 

 

Spot 1 Südseite Schilf rechts neben Angelplatz

 

Tiefe ca. 2,5m | 23,5Wicklungen x3,60m = 85,5m

 

An einer krautigen Kante platziert.

 

 

 

Pop-Up Standard-Rig

 

25lbs geflochtenes Vorfach

 

6er Gape Haken | Line-Aligner

 

Safety-Clip

 

Carpleads 90g Torpedo Distance X Wirbelblei sandfarben

 

Klemmblei 1cm vor dem Haken

 

Mainline New Grange 14mm Fluo Pop-Up Pink | gelbes auftreibendes Maiskorn

 

Spot 2 Insel nahe dem alten Baum

 

10m vom Ufer | Tiefe ca. 4m

 

Ebenfalls an einer Kante abgelegt.

 

 

 

Korda Chod-Rig Short

 

6er Barbed Choddy

 

Korda Leadcore Heli Gravel

 

Carpleads 90g Torpedo Wirbelblei dunkelbraun
Strategy Baits Strawberry Fish 12mm Fluo Pop-Up Rot


 

Nach der ganzen Schlepperei ist das gesamte Tackle gegen 9:45 Uhr am Wasser und kurz darauf steht auch das Bivvy. Dieses Mal setze ich mich auf die südliche Seite der „Insel“, die ich eigent-lich schon vorige Woche besetzen wollte. Statt der Bucht, entscheide ich mich für eine Stelle im Süden vor dem Schilf und einer Krautkante. Vom Ufer des Spots setze ich den Marker und laufe zurück an meinen Platz. Die Rute wird Richtung Marker gefeuert und eingeclipt. Wicklungen werden abgemessen, notiert und wieder aus-geworfen. Der Südwestwind scheint mich zu unterstützen, denn die Entfernung von 85,5m, 3m mehr als letztes Wochenende, lassen sich komischer-weise leicht treffen. Als nächstes nehme ich mein Futter und laufe wieder auf die andere Seite, um vom Ufer aus einen kleinen Teppich zu legen. Etwa 10m vom Ufer entfernt auf der Insel, lege ich das Chod-Rig in einer Tiefe von ca. 4m ab. Hier füttere ich ebenfalls etwas Mix und Boilies.

 

 

13:15

 

 

Gerade als ich anfange diese Notizen zu schreiben, ballert die Rute auf dem 2. Spot, gut 20m von meinem Zelt entfernt, ab. Beim Raussprinten sehe ich nur auf den Boden, um sämtlichen Tretminen von Wildgänsen auszuweichen. Entsprechend überrascht von dem Biss, der 10 Minuten nach Ablegen der Rute kam, stehe ich hier in Longsleave, Unterbüx und ohne Socken.
Es regnet nicht.

 

Direkt harter Kontakt und Zug in der Bremse. Die Rute von NASH arbeitet und federt die Schläge sehr schön ab. Genauso wie die Bremse, der jetzt eingeweihten Rolle. Übrigens ist es mein erster Biss aufs Chod-Rig. Ein kampfstarker Fisch, der oft die Richtung wechselt und sich dabei ins Leadcore wickelt.

 

Zähneknirschend versuche ich ihn daran zu hindern und in eine Richtung zu ziehen. In Ufernähe sehe ich seinen Rücken, ein guter Spiegler. Nach ca. 15 Minuten Drill fällt mir beim Keschern ein, dass ich nichts zum Wiegen und Messen dabei habe. Glücklicherweise trifft gerade mein Kumpel Boris ein. Der Karpfen bringt satte 26 Pfund auf die Waage.

 

Der kann sich doch sehen lassen - Glückwunsch, Daniel!

 

Der Mix besteht aus gekochtem Hartmais, Weizen, harten Kichererbsen, Futterhanf und Reste von halbierten und geviertelten öligen 20mm Robin Red Pellets.

 

Zusätzlich füttere ich 15mm 4G Squid Boilies von NASH und Reste schwarzer halbierter 20mm Fischboilies.

 

 

 

 

Darf ich mal reinguck’n?

 

 

Ein Mann steht plötzlich mit überraschtem Gesicht hinter uns. Er redet davon, dass er in den letzten Tagen vorgefüttert habe. Wo, das sagte er allerdings nicht. Noch während er uns erzählt, er wollte ja auf unserem Platz sitzen und wir ihn daraufhin aufklären, dass am Abend eine Grillveranstaltung mit 9 weiteren Anglern am See stattfindet, rauscht die gleiche Rute ein weiteres Mal ab. Schmunzelnd hebe ich die Rute auf und der Gegendruck ist genauso stark wie beim Fisch zuvor. Jedoch kommt er etwas schneller an die Oberfläche. Wieder ein Spiegler, aber mit einem schmaleren Rücken. 19 Pfund und glatt „like a womans butt“.

 

Einige Erzählungen und Ausschweifungen später, bewegt sich der kommunikationsaktive Angler dann langsam von uns weg. Allerdings nicht, bevor er noch relativ begeistert von meinem Bivvy, mich fragt, ob er mal reingucken darf. Natürlich stellt er diese Frage, während er schon bis zum Oberkörper drinsteckt.

 

 

Die heutige Beisszeit ist ungewöhnlich für dieses Gewässer. Der erste 13:15, zweiter 15:00 und jetzt um 16:45 piept es an der Rute des Südufers. Es piept nur kurz, der Bobbin sinkt ab und verharrt in dieser Position. Ich schlümpfe in meine Watstiefel und betrete das Kampfgebiet. Langsam beginnt der Bobbin sich zu heben. Ich schlage an und spüre erst mal nicht viel. Der Fisch schwimmt in meine Richtung. Ein Brassen? Schon ein paar Mal habe ich dieses Verhalten bei Brassen mitbekommen und ich kurble schnell, um den Kontakt zu erreichen. Dann merke ich ruckartig einen Schlag und das ist definitiv kein Brassen. Langsam aber stetig zieht er nach links ins Freiwasser. Ich baue mehr Druck auf und ziehe ihn näher ans Ufer. Dieser Rücken sieht dieses Mal dem Stiernacken des ersten Karpfens ähnlich. Ein paar Fluchten vor dem Kescher und die sind nicht sonderlich schlecht. Das Ergebnis liegt dann ca. 10 Minuten später auf der Matte. 26 Pfund und der Bauch auf Naht. Dass er sich auf meiner Futterstelle wohlgefühlt hat, sehe ich an dem ausgeschiedenen Weizen. Rute neu ausbringen und zur anderen Seite, um zu füttern.

 

Sogar unseren Seminarschnellfotokurs hat Daniel beherzigt: Auch mal Detailfotos machen!

 

Esst mehr Gemüse!

 

18:00: Es wird am anderen Ende des Sees gegrillt. Der Wind steht beim Essen direkt mit Südwest auf unser Ufer und trägt 20 Minuten später ein entferntes trällerndes Geräusch an unsere Ohren. Ich lasse das Gemüse fallen und sprinte los. Auf den letzten 150 Metern höre ich nichts mehr und hoffe, dass er nicht schon ausgeschlitzt ist oder sich in den Büschen kaputtlacht. Kurz vor meinem Platz fängt es wieder an zu plärren und ich sehe, dass es die Rute im Süden ist. Schnell in die Watstiefel sackhüpfen und die Schuhe über die Schultern irgendwo hinfeuern (es beginnt zu tröpfeln). Ein harter Druck, der schon eher an einen Hänger erinnert. Ich fange an heranzupumpen und merke ein stetiges Rucken und Zucken. Ist der Fisch jetzt weg? Hat er die Mono in sämtliches Kraut gewickelt? Etwas weiter im Freiwasser ist das Gefühl plötzlich weg, aber der Druck bleibt. Nun kommen die Schläge und der Zug nach links. Je näher ich ihn in Richtung Ufer ziehe, desto mehr Druck macht er. Einige Zeit später sehe ich dann den schuppigen Rücken und freue mich, endlich nach mehreren Sessions wieder einen schönen Schuppenkarpfen zu Gesicht zu bekommen. Er legt energische Fluchten mit platschender Schwanzflosse hin. Derweil gießt es in Strömen. Boris keschert ihn und ab geht’s auf die Abhakmatte. Der Haken lässt sich leicht lösen. Versorgt wird er mit Wasser aus einem praktischen faltbaren Eimer.

Der Himmel klart kurze Zeit danach auf und wir starten die Foto-session. Ein makelloser Fisch. Über die Abhakmatte gleitet er langsam wieder in sein Element. Und wie wir alle wissen, auch ein schöner Rücken kann entzücken. Allerdings schauen wir uns ein wenig verdattert an, als wir bemerken, dass wir ihn gar nicht gewogen haben. In der ganzen Aufregung muss das wohl untergegangen sein.

 

 

 

Wir schätzen den Fisch aber auf 22-24 Pfund

 

 

 

Ausgebombt. Äh, geschlitzt

 

 

 

 

Boris hat dann auch mal seine Ruten fertig und ausgebracht. Er ist gerade auf dem Weg zum Auto, da piept es an der rechten seiner Ruten, die er in 17,5Wicklungen 63 Meter Entfernung in der Seemitte platziert hat. Kein Boris in Sicht, also nehme ich die Rute auf. Kontakt ist für ein paar Kurbelumdrehungen und Pumpbewegungen da, dann schlitzt er aus. Schade. Hat sich nach einem 15 Pfund aufwärts angefühlt.

 

„Hey du hattest Biss, aber ich habe ihn leider verloren.“ Solche Botschaften zu überbringen ist immer sehr unangenehm und kann mit Dolchaugen und Kopfnüssen enden. In der Nacht tat sich karpfentechnisch gar nichts mehr. Andere Konsorten waren jedoch sehr aktiv. Viele Brassenpiepser und die Erkenntnis, dass es sogar Güstern in diesem See gibt, konnte Marco feststellen. Insgesamt wurden die Nacht über 3 Aale gefangen. Nicht sonderlich viel, aber die Jahre davor war so gut wie nichts zu verzeichnen.

 

Ende gut, alles goo(t)

 

 

 

Ich bin der Meinung, dass das Wetter mir in die Hände gespielt hat. Am nächsten Tag waren es 17°c, der Wind dreht zwischen Süd und Nordwest. Luftdruck um 5 auf 1020,4hPa gestiegen. Der Wind sollte 2 Tage nach meinem Fang auf Ost drehen und für ein paar Tage so bleiben. Die Werte werde ich auf jeden Fall weiterhin im Auge behalten und entsprechend versuchen eine Session einzulegen, wenn es ähnlich ausschaut.

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