Skandal in Irland

16.03.2016

Zur Stützung der Forellenbestände werden in Irland wieder Hechte mit Kiemennetzen abgefischt. Uwe Pinnau mit einem flammenden Plädoyer gegen diese Abfischaktionen.

In Kiemennetzen gefangene Hechte sind oft schwer verletzt, da ist ein Umsetzen unmöglich. Bild: Uwe Pinnau

Nachdem im vergangenen Jahr die umstrittene Praxis des sogenannten „pike culling“ endlich und zur Freude der Hechtangler eingestellt wurde, haben die Iren die gezielte Dezimierung ihrer großartigen Hecht-Bestände wieder aufgenommen.

Mit Kiemennetzen werden Hechte gefangen, um so die heimischen Forellenbestände (brown trout) zu schützen. Hechte über 85 Zentimetern Länge können unter Umständen zurückgesetzt werden, kleinere – falls nach dem Netzfang unverletzt - können umgesetzt werden, so die offizielle Version. Sie werden aber auch zum Großteil entnommen und der Verwertung als Tierfutter zugeführt.

Tatsächlich wird sogar ein größerer Teil der gefangenen Hechte getötet. Gerhard Seck, deutschstämmiger Sekretär des irischen Angelvereins in Ballina und Fischzuchtmeister, bemerkt dazu: „Jeder weiß, dass ein mit Kiemennetzen gefangener Fisch durch Schleimverlust und nicht korrekte Hälterung sterben wird!“

Archaische Bewirtschaftungsmethode

Auch kleinere Hechte überleben den Fang im Kiemennetz oft nicht. Bild: Uwe Pinnau

Das Kiemennetz ist ein geradezu archaische und denkbar unangebrachter Fangmethode, da dabei nicht nur die meisten Fische verenden und Schaden nehmen, sondern zudem noch erhebliche Mengen anderer Fische - auch Forellen - als „Kollateralschaden“ der Maßnahme zum Opfer fallen. Ob ein ins Netz gegangener Hecht noch als umsetzbar gilt, obliegt allein dem Ermessenspielraum des abfischenden IFI-Mitarbeiters (Inland Fisheries Ireland).

Besonders absurd: Die Länge der Hechte wird nur bis zur Schwanzwurzel gemessen und nicht richtigerweise bis zum Ende der Schwanzflosse. Dies bedeutet, dass es sehr viele Fische bis über 90 Zentimeter betreffen wird. Und das in einem Land, wo Anglern lediglich die Entnahme eines einzigen Hechtes bis 50 Zentimeter gestattet ist und der Angeltourismus eine sehr wichtige Einnahmequelle darstellt.

Die Maßnahmen werden von der Irischen Fischereibehörde IFI (Inland Fisheries Ireland) durchgeführt, die eigentlich darum bemüht sein sollte, sich um gute Bestände und deren Erhalt zu kümmern, wofür sie auch mit EU-Geldern und erheblichen Steuermitteln unterstützt wird.

Vom sogenannten „pike management“ betroffen sind Lough Conn, Cullin, Corrib, Mask, Carra, Sheelin und Lough Arrow, die alle als Salmonidengewässer klassifiziert sind und als Forellenseen bewirtschaftet werden. Das „pike culling“ wird gezielt vom 1. März bis 1. April innerhalb der Laichzeit der Hechte durchgeführt. Das Personal zur radikalen Umsetzung der Aktion wurde aus dem ganzen Land zusammengezogen.

Hechte angeblich nicht einheimisch

Uwe Pinnau mit schönem Irland-Hecht. Viele deutsche Hechtangler machen regelmäßig Angelurlaub in Irland. Bild: Uwe Pinnau

Ideologischer Hintergrund ist der vermeintliche Schutz der Bestände von wilden, einheimischen Bachforellen in den genannten Gewässern. Hinzu kommt die unerforschte und wissenschaftlich nicht belegbare Annahme, dass eine Dezimierung der Hechtpopulation sich proportional auf das Wachstum der Forellenbestände auswirkt. Der Hecht erfährt dabei eine gewisse Form von Geringschätzung, weil man ihn als nicht heimische Fischart deklariert, obwohl er erwiesenermaßen seit dem 16. Jahrhundert in Irland vorkommt und sogar Hinweise existieren, die eine natürliche Ausbreitung des Hechtes bis nach Irland nach der letzten Eiszeit wahrscheinlich scheinen lassen.

Tatsächlich haben letzte Untersuchungen ergeben, dass durch die Entnahme von Hechten, die Forellenbestände noch weiter abgenommen haben, da man nicht berücksichtigt hat, dass sich so die Weißfische und Barsche ungehindert vermehren können und sich somit die Konkurrenz um die Nahrung der Jungforellen verschärft. Der Charakter der betreffenden Seen hat sich ohnehin in der letzten Dekade verändert und aus oligotrophen Forellengewässern sind Seen mit riesigen Friedfischbeständen geworden, denen man eigentlich am besten mit einer starken Hechtpopulation langfristig entgegenwirken könnte.

Alteingesessene Salmoniden-Lobby

Ungeachtet dieser Fakten kommt man mit dem „pike culling“ den Wünschen einer starken und alteingesessenen Salmonidenlobby nach. Ungeachtet der ökologischen und ökonomischen Folgen wünschen sich diese Herren eine drastische Verringerung der Hechtbestände.

Nicht ohne Grund wird im englischsprachigen Raum zwischen „Coarsefish“ (alle Arten von Friedfischen und auch Hechte und Barsche) und „Gamefish“ (Salmoniden) unterschieden, wobei allein die Salmoniden die Aufmerksamkeit erfahren, die eigentlich allen Fischarten gebührt.

Paradoxerweise werden von der Salmonidenlobby und den Forellenanglern Angelturniere auf die Forellen veranstaltet und allein an regulären Angeltagen während der Saison Tausende von Forellen entnommen.

Bei der Lektüre alter Quellen ist immer wieder von großartigen Forellen- und Hechtfängen die Rede und diese friedliche und produktive Koexistenz hatte über Jahrhunderte Bestand. Die großen Seen Irlands hatten und haben das Potenzial Rekordhechte und Rekordforellen hervorzubringen, wenn man sie nur ließe.

Petition gegen das "pike culling"

Am 24. März ist eine Demonstration gegen das „pike culling“ vor der IFI-Zentrale in Dublin geplant. Wer sich gerne gegen diese irrwitzige Maßnahme engagieren möchte, braucht nicht gleich nach Dublin zu reisen, sondern kann sich über ein Beschwerdeformular äußern, auch auf Deutsch...

Zusätzlich ist es möglich sich an einer Petition gegen das „pike culling“ zu beteiligen und daran sollte nicht nur allen Anglern gelegen sein, die gerne ins schöne Irland reisen, sondern generell sollten sich Hechtangler solidarisch zeigen und versuchen eine Wende in der irischen Fischereipolitik zu bewirken.

Uwe Pinnau, Präsident Deutscher Hechtangler-Club

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