Stellnetze verringern Lachsaufstieg

13.02.2012

Hobby-Fischern entlang der niederländischen Küste gehen immer auch Lachse in die Netze. Jetzt wurde diese Art der Freizeitfischerei verboten – leider mit einer Ausnahmeregelung.

Die traditionelle Stellnetzfischerei im Wattenmeer bleibt weiterhin erlaubt. In einem offenen Brief wendet sich der Verein „Der Atlantische Lachs“ deshalb an den niederländischen Landwirtschaftsminister Henk Bleker:

Sehr geehrter Herr Minister Bleker,

“Der Atlantische Lachs e.V.” ist eine gemeinnützige Organisation, die das Ziel der Wiedereinbürgerung des Atlantischen Lachses und der Meerforelle in Europa und besonders in Deutschland verfolgt. Zusammen mit unserer Schwesterorganisation “Lachszentrum Hasper Talsperre e.V.” betreiben wir ehrenamtlich eine Lachsaufzuchtstation in der Nähe von Hagen.

Der Anlass unseres Schreibens ist die Nachricht vom Inkrafttreten des Verbotes der Hobbyfischerei mit gewerblicher Ausrüstung entlang der niederländischen Küste.

Wir sind sehr dankbar, dass dieses Verbot endlich eingeführt (und hoffentlich durchgesetzt wird) und der Lachs dadurch eine größere Chance haben wird, den Rhein und die Maas zu erreichen. Dieses Verbot gibt außerdem eine bessere Kontrolle darüber, in welchem Umfang Fischerei an der niederländischen Küste betrieben wird.

Auf der anderen Seite sind wir sehr besorgt über die Ausnahmeregelung in Bezug auf die traditionelle Fangmethode der Stellnetzfischerei im Wattenmeer. Wenn wir es richtig verstanden haben, wird den Stadtverwaltungen in diesem Gebiet das Recht eingeräumt, Einwohnern Genehmigungen zum Fischen von Wolfsbarsch, Plattfisch und Kabeljau mit Stellnetzten zu erteilen.

Besorgniserregend ist dies deshalb, weil mit dieser Art von Fischerei ein großes Beifangrisiko von erwachsenen Lachsen und Meerforellen verbunden ist. Das Wattenmeer ist ganzjährig ein wichtiger Futterplatz für Meerforellen und diese Gewässer sind auch der “Endanflug” für Lachse, deren Ziel die ins Wattenmeer mündenden dänischen und norddeutschen Flüsse sind. Auch viele Lachse, die in den Rhein oder die Maas wollen, passieren das Wattenmeer für die letzte Futtersuche.

Dass die Gefahr des Beifangs von Lachs existiert, wurde auf mehreren niederländischen Webseiten demonstriert. Einige gingen soweit, Werbung für die Möglichkeit zum “Räuchern von selbstgefangenem Lachs” zu machen. Natürlich wurde der Inhalt einiger dieser Webseiten geändert, nachdem Orri Vigfússon vom North Atlantic Salmon Fund (NASF) diese ungesetzliche Praxis in seinem Brief vom 24. Januar 2011 aufzeigte. Den Beifang im Wattenmeer wird das allerdings nicht stoppen.

Die gefangenen Lachse und viele der Meerforellen sind auf dem Weg in Flüsse, an denen Wiedereinbürgerungsprogramme stattfinden. In den meisten dieser Flüsse sind die Lachspopulationen kaum wiederhergestellt, in einigen Flüssen sind sie nach wie vor gefährdet.

Der einzige Weg, um diesen durch Hobbyfischer verursachten Beifang zu vermeiden (und die daraus resultierende Todesrate von Lachs und Meerforelle) ist - wir bedauern, das sagen zu müssen - sie vom Fischen abzuhalten. In Ihrem Brief vom 9. März 2011 schreiben Sie: “Bitte beachten Sie, dass die Verpflichtung Lachs und Meerforelle wieder freizulassen weiterhin gilt.”

Leider ist es so, das in Stellnetzen gefangene Lachse und Meerforellen nicht überleben können. Insbesondere gilt dies für Stellnetze die im Wattenmeer Anwendung finden, da diese während der Ebbe trockenfallen. Es ist daher nahezu unmöglich, Lachse und Meerforellen wieder lebendig freizulassen.

Wir sind außerdem der Meinung, dass der Schutz von “internationalen” Tierarten wie Lachs, Meerforelle und auch Schweinswalen nicht in die Hände von Stadtverwaltungen gehört. Dies übersteigt schlicht deren Kenntnisse und Aufgabenbereiche.

Wir fordern Sie daher auf, keine Ausnahmeregelung für das Verbot der Hobbyfischerei mit Stellnetzten im Wattenmeer zuzulassen und Ihre Entscheidung diesbezüglich rückgängig zu machen.

Wir möchten außerdem die Gelegenheit nutzen, um Ihre Aufmerksamkeit auf die Berufsfischerei mit großen Stellnetzen entlang der niederländischen Küste zu lenken. Diese Art von Fischerei hat in den letzten 10 Jahren in erheblichem Maß zugenommen. Viele Fischer haben offensichtlich von der (dieselfressenden) Schleppnetzfischerei mit großen Schiffen auf eine spritsparende Fangmethode mit kleineren Schiffen und Stellnetzen umgestellt.

Die Zunahme dieser Fangmethode hat sich praktisch ohne Kontrolle über die Anzahl der Lizenzen und Stellnetzte vollzogen.

Unsere Informationsquellen zeigen, dass es auch in diesen Netzen einen erheblichen Beifang von Lachs und Meerforelle gibt. Fische, die praktisch keine Chance haben diese Netze zu überleben, auch wenn die Verpflichtung zum Freilassen aller Lachse und Meerforellen eingehalten wird.

Wir fordern kein komplettes Verbot der Berufsfischerei mit Stellnetzten an der niederländischen Küste aber wir möchten die Niederländische Regierung eindringlich bitten, alle notwendigen Schritte zur Kontrolle dieser Fischerei, die Anzahl der Lizenzen und Netze betreffend zu unternehmen. Eine Obergrenze muss gesetzt werden sowie eine Möglichkeit der Abfindung von “überzähligen” Fischern. Nur so kann es zu einer kontrollierbaren Fischerei kommen.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse an unserem Anliegen und der Situation des Atlantischen Lachses und der Meerforelle und hoffen, dass unsere Vorschläge und Argumente auf offene Ohren in Ihrem Ministerium treffen.

Hochachtungsvoll

Dr. Rainer Hagemeyer

Vorsitzender Der Atlantische Lachs e.V.

www.lachsverein.de

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