Stachelritter-Spots

"Barsche fangen? Kein Problem! Die gierigen Brocken schwimmen ja überall." - dies meinen viele Petrijünger. Yves Gregoire ist aber anderer Ansicht. Nur die Hot Spots seines Lieblingsfisches versprechen gute Fänge.

By Yves Gregoire

Die meisten Angler deklassieren den Barsch zu Unrecht als Anfänger-Fisch, der fast immer und überall ohne größere Mühe zu überlisten sei. Doch stimmt eher das Gegenteil. Es ist gar nicht so einfach, wiederholt gute Exemplare zu fangen. Dazu gehört schon eine Portion Können und das Wissen um die besten Standplätze. Für mich zählt deshalb die Pirsch auf die dicken Barsche zu den größten anglerischen Herausforderungen.

Das Suchen und Finden der Hot Spots ist der Schlüssel zum Erfolg. Manchmal scheint es so, als seien die Großmäuler schlagartig verschwunden. Der Grund: Die meisten Exemplare leben im Rudel und sammeln sich an bestimmten Stellen. Wer an diesen vorbeifischt, geht leer aus. Die Frage der Wahl eines Verführers ist eher zweitrangig: Standardköder wie einen fetten Tauwurm oder Mini-Barsch haben die Großmäuler fast immer zum Fressen gern - vorausgesetzt, sie werden in der unmittelbaren Nähe zum Standplatz angeboten. Die ideale Barschstelle ist zugleich Jagd- und Ruheplatz mit gutem Futterangebot und sicheren Unterständen. Eine Ausnahme bilden nur die in manchen Seen pelagisch lebenden Schwärme, die Freiwasser-Fischen wie zum Beispiel Binnenstinten nachstellen.

Aussichtsreichen Reviere gibt es in Flüssen zuhauf (Zeichnung 1): Buhnenköpfe, Brückenpfeiler, Schleusen - all dies sind künstliche, von Menschenhand geschaffene Deckungsmöglichkeiten, in deren Nähe eine Strömungskante verläuft. Die dort typischen Verwirbelungen können Futterfische aus dem Gleichgewicht bringen und sie zur leichten Beute für die gestreiften Jäger werden lassen.

Auch ein unterspültes Ufer - vor allem in der Nähe einer flachen Sandbank - oder ein versunkener Baum sind echte Barsch-Magneten.

Aufgrund der Güte dieser Standplätze haben die Großmäuler meist ausgezeichnete Wachstumsbedingungen. Damit sind hier auch die Chancen am größten, einen richtig dicken Brocken zu erwischen. Bei diesen handelt es sich allerdings meistens um Einzelgänger. Und die sind selbst bei besten Revierkenntnissen immer noch äußerst schwierig zu finden.

Die Brocken sind Vagabunden

Die Jahreszeit spielt eine wichtige Rolle, welches Barschrevier gerade aussichtsreich ist. Im Frühjahr, wenn die Weißfische im Flachwasser der Flüsse Hochzeit halten, lauern die Stachelritter in ihrer Nähe. Sie suchen den Strömungsschatten großer Steine, ruhigere Bereiche im Kehrwasser unterhalb von Wehren oder versunkenes Astwerk auf. Von dort aus starten sie überfallartig ihre Raubzüge auf laichende Silberlinge.

Im Sommer bevorzugen die Barsche hingegen tiefere Rinnen im Flussbett. Hier ist es angenehm kühl und der Sauerstoffgehalt höher als im aufgewärmten Uferwasser. Krautbeete erhöhen noch die Attraktivität, weil sie tagsüber Sauerstoff produzieren und Schatten spenden. Bei Dunkelheit geben die Pflanzen allerdings Kohlendioxyd ab und werden deshalb in der Nacht gemieden.

Im Herbst folgen die Räuber den Friedfischen zu ruhigeren, tieferen Stellen: Außenkurven oder mit dem Fluss in Verbindung stehende Baggerlöcher, Häfen und Altarme. Hechte, Zander und kapitale Barsche machen jetzt gemeinsame Sache bei ihren Beutezügen. Dies habe ich mehrfach beobachtet und aus Mischfängen in der goldenen Jahreszeit geschlossen. Um keinen Hecht zu verangeln, montiere ich daher in dieser Jahreszeit bei der Barschpirsch ein Stahlvorfach.

Nahrung satt am Wellensaum

Deutlich schwieriger gestaltet sich die Barschsuche in Seen (Zeichnung 2), obwohl es auch hier exzellente Bestände gibt. An manchen Stillgewässern weisen zwar Möwenschwärme wie eine Art "Bio-Signal" auf jagende Barschschwärme hin, die Futterfische an die Oberfläche treiben. Doch dies gilt im wesentlichen nur für die mecklenburgischen und holsteinischen Seen.

Fehlen solche Signale, liefert der Wind Hinweise auf den möglichen Aufenthaltsort der Barsche. Die Fische zieht es nämlich meist zur Luv-Seite, und zwar dorthin, wo sich die Wellen am Ufer brechen. Hier werden Insekten und deren Larven - beides Nahrung für kleine Barsche und Friedfische - freigespült. Klar, dass dies die kannibalisch lebenden dicken Großmäuler anzieht. Zumal die kleinen Beutefische im aufgewühlten Wasser Gleichgewichts-Probleme bekommen und damit zur leichten Beute werden. Bei entsprechender Bewegung im Wasser ist den ganzen Tag über Beißzeit.

Problematisch wird die Suche jedoch, wenn die Windrichtung permanent wechselt oder Flaute herrscht. Mein grundsätzlicher Tip dann: Ran an die Scharkante, möglichst bei Sonnenaufgang.

Fangen in aller Frühe

Als Spätaufsteher hat man nämlich kaum Chancen, da sich an diesem Platz die Jagdphasen unserer Zielfische auf die frühen Morgenstunden konzentrieren. Lediglich im Spätherbst und Winter ist die Mittagszeit empfehlenswerter. Und wenn die Stachelritter einmal aktiv sind, verraten sie sich auch: kleine, flüchtende Silberlinge spritzen aufgeregt aus dem Wasser, gefolgt von dunkelgrünen Leibern mit zwei Rückenflossen.

Auch im Stillgewässer gibt es Stellen, die nur zu bestimmten Monaten erste Wahl sind. Dort, wo seichtes Wasser dicht an tieferes grenzt, halten sich die Barsche im Frühjahr gern auf. Hier können sie die im Flachen laichenden Friedfische blitzschnell und unvermittelt attackieren. Außerdem brechen sich Wellen an den Untiefen, und es wird der Boden samt der Nahrungspartikel aufgewühlt. Dabei entsteht dann eine "Trübungsfahne", die aufgrund ihres Futterreichtums Fried- und Raubfische gleichermaßen anzieht.

Der Berg ruft

Ausgesprochen fängig sind auch enge Einmündungsbereiche, wo der See beispielsweise in ein kleineres, flaches Stillgewässer mit vielen Buchten übergeht - ein ideales Laichrevier. Hier hält sich bis zum Spätsommer die Brut auf, immer wieder attackiert von den Barschrudeln.

Zur Jahresmitte ist der klassische Barschberg die wohl aussichtsreichste Stelle in Seen. In mittlerer Tiefe sind an seiner Scharkante fast immer die Mini-Stachelritter und auch Hechte anzutreffen. Dementsprechend ist ein Stahlvorfach ein absolutes Muss!

Im Hochsommer ist die Pirsch auf den gestreiften Gesellen allerdings generell nicht sonderlich aussichtsreich. Dies ändert sich erst nach der Durchmischung der Wasserschichten ab September. Die ersten kühlen Herbsttage und die Stürme sind der Beginn der Hochsaison bei niedrigen Graden: Dann sammeln sich die Friedfische, Binnenstinte und Coregonen in großen Schwärmen: In ihrer Nähe finden sich die Barsche ein. Tolle Fänge winken!

Die richtige Köderwahl

Die Köder sollten der jeweiligen Jahreszeit und der Größe der Jungfische angepasst sein. Im Frühjahr und Sommer jagen die Barsche im Flachen und an der Oberfläche wie verrückt nach frisch geschlüpfter Friedfisch-Brut. Diese gilt es zu imitieren. Kleine Spinner, Blinker, Wobbler und Streamer sind top.

Ab dem Herbst fangen die größeren Köder: fette Tauwürmer und tote Köderfische am Drachkovitch-System, Blattpilker, Twister und Rasselwobbler.

Im Winter sind die Fische träge, daher sollte die Präsentation der Verführer ausgesprochen langsam sein. Das Twistern mit kleinen Gummifischen am bebleiten Jighaken im Fluß bringt auch bei niedrigen Temperaturen Bisse. Dieser Köder ist auch für das Fischen vom Boot aus mit Abstand der fängigste.

Foto: Verfasser und Grand Bleu

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