Brassen fassen mit Andy Little

Brassen lassen sich bei richtiger Anfütter-Strategie einfach überlisten. Doch die Wahl der geeigneten Angeltaktik ist nicht immer so leicht.

By Andy Little

Das Revier

Heute versuche ich in einem flachen See Brassen zwischen drei und sechs Pfund Gewicht zu fangen. Neben meinen Zielfischen und einigen Karpfen gibt es in diesem Revier nur wenig andere Schuppenträger-Arten.

Das Gewässer mit stark schlammigem Grund hat eine Fläche von rund zehn Hektar. Die Tiefe schwankt zwischen einigen Zentimetern in der Uferzone und zwei Metern weiter draußen. Trotz des guten Brassenbestandes ist für ein erfolgreiches Fischen das Auffinden der Flossenträger äußerst wichtig da sie in konzentrierten Schwärmen zusammenstehen.

Wind und Wetter

Der Angeltag beginnt an einem Sommermorgen mit strahlend blauem Himmel und vereinzelten Wolkenfetzen. Die Tagestemperaturen sollen - bei einem sehr hohen Luftdruck von 1030 Millibar - auf über 20 Grad Celsius steigen. Ob die Windstille von Vorteil ist muß sich noch zeigen: Einerseits erleichtert der spiegelglatte See das Auffinden der Brassen weil sich dann Gründelblasen und ihre typischen Wälzbewegungen an der Oberfläche deutlich abzeichnen. Andererseits werden die Fische nach meiner Erfahrung durch eine bewegte Wasseroberfläche stärker zum Fressen angeregt.

Köder und Gerät

Meine Köderdosen sind gefüllt mit Maden kleinen Rot- und Tauwürmern sowie Zuckermais. Zusätzlich habe ich eine Menge Lockfutter im Gepäck. Ich fische mit einer dreiteiligen Feeder-Rute von 360 Meter Länge. Die weiche Glasspitze hat eine Testkurve von eineinhalb Unzen etwa 40 Gramm. Ein Monofil von drei Kilo Tragkraft bildet die Hauptschnur; das Vorfach trägt zwei Kilo. Die Rute wird in einem Winkel von etwa 45 Grad zum Ufer aufgestellt. Auf diese Weise kann ich problemlos anschlagen und erhalte die bestmögliche Bisserkennung.

Meine Montage

In stehenden Gewässern fische ich auf Brassen am liebsten mit der Feeder-Montage. Wegen des sehr weichen schlammigen Untergrundes kommt ein leichter offener Futterkorb mit einem Wurfgewicht von 20 Gramm zum Einsatz. Dieser wird mit Hilfe einer zehn Zentimeter langen Schlaufe knapp 25 Zentimeter vor dem Hauptschnur-Ende befestigt.

Dann versehe ich das Ende der Hauptschnur mit einer kleineren Schlaufe die wiederum mit dem 60 Zentimeter langen Vorfach verbunden wird. Bei zaghaften Bissen fische ich mit einem kürzeren Vorfach bei stürmischen Attacken hingegen mit einem längeren.

Ich verwende feindrähtige Plättchenhaken - je nach Köder in den Größen 12 bis 16. Am kleineren Haken werden Maden am größeren Würmer und Mais angeboten.

Wie pack ich's an

Für erfolgreiches Brassen-Fischen muß man sich zuvor vergewissern ob die Flossenträger tatsächlich im Angelbereich anzutreffen sind. In großen Gewässern stehen die Fische zudem häufig außer Wurfweite. Daher sollte man gezielt nach einem Schwarm suchen der sich mühelos anwerfen lässt.

Ich nehme zunächst die Bereiche unter die Lupe die direkt von der Sonne beschienen werden; denn häufig sonnen sich die Brassen an der Wasseroberfläche. Bei richtigem Anfüttern gehen sie dann aber auf Tauchstation und beginnen mit dem Fressen.

Ich habe Glück: Die Fische zeigen sich an der spiegelglatten Wasseroberfläche. Mit dem Fernglas kann ich zudem aufsteigende Luftblasen beobachten - ein Hinweis darauf dass hungrige Hochrücker dort schon den weichen Schlammboden auf der Suche nach Nahrung durchwühlen.

Und so läuft's

Ich beobachte wie der Brassen-Schwarm etwa 30 Meter vom Ufer entfernt langsam von rechts nach links zieht. Schnell mische ich zwei Kilo Lockfutter an das mit zerhackten Würmern Maden und Zuckermais versetzt ist und werfe zehn große Lockfutterkugeln ein gutes Stück links vom Schwarm in dessen voraussichtliche Bahn. Wegen der geringen Wassertiefe sind die Ballen nur lose geformt so dass sie beim Aufprall zerfallen und sich gut verteilen.

Nun bereite ich die Ausrüstung vor und bestimme die richtige Wurfweite. Danach klemme ich die Schnur unter dem Spulenclip fest damit jeder folgende Wurf an genau der gleichen Stelle landet. Sollte einmal ein größerer Fisch abziehen wollen kann ich die Sehne schnell vom Clip lösen um einen drohenden Schnurbruch zu verhindern. Natürlich kann man die Sehne auch mit Tipp-Ex oder einem Filzstift markieren und so die richtige Distanz immer wiederfinden.

Zum Anfüttern und Auswerfen peile ich ein Haus am gegenüberliegenden Ufer an. In Verbindung mit der festgesetzten Schnur landet der Feeder bei jedem Wurf mitten im angefütterten Bereich.

Jetzt kann das Angeln beginnen. Nach dem Ausbringen des Köders spanne ich die Schnur bis sich die Zitterspitze leicht biegt. Nach fünf Minuten beißt der erste Fisch. Doch mein Anhieb geht ins Leere. Es folgen noch drei oder vier Fehlversuche dann fällt bei mir endlich der Groschen: Es müssen so viele Brassen sein dass sie ständig in die Schnur schwimmen.

Beim nächsten Wurf lasse ich die Sehne daher leicht durchhängen so dass sich zwischen Zitterspitze und Wasseroberfläche ein kaum merklicher Schnurbogen bildet. Nächster Biss: Die Zitterspitze schlägt erneut aus schnellt aber sofort wieder zurück. Ein Anschlag jetzt noch wäre grundverkehrt.

In der nächsten halben Stunde bekomme ich ununterbrochen weitere derartige Schnurbisse - Zeit für einen Köderwechsel. Ich ersetze die Maden durch einen ganzen am Schwanzende befestigten Tauwurm am 12er Haken. Plötzlich ruckt die Spitze federt dieses Mal aber nicht mehr zurück. Jetzt setze ich den Anhieb. Am anderen Ende ist ein kraftvoller Widerstand zu spüren. Nach einem guten Drill führe ich einen vierpfündigen Brassen über den Kescherrand. Es folgen noch drei weitere Fische ähnlicher Größe dann sogar zwei Sechspfünder.

Plötzlich herrscht Ruhe weitere Bisse bleiben aus. Für mich stellt sich nun folgende Frage: Soll ich weiteres Lockfutter einwerfen und den hoffentlich noch am Platz stehenden Brassenschwarm bei Laune halten oder den Standplatz wechseln und ganz von vorn beginnen? Ich entscheide mich für erstere Alternative und werfe zehn weitere Lockfutterkugeln ein bekomme in der Folgezeit aber dennoch keine weiteren Bisse mehr.

Mein Fazit

Ich konnte zwar einige Brassen erbeuten; doch der See ist bekannt für viel größere Fänge. Wahrscheinlich war meine Taktik nicht richtig. Ich hätte wohl besser von vornherein mehr Lockfutter einwerfen sollen, als sich noch zahlreiche Fische im Angelbereich tummelten. Wenn Brassen erst einmal nach Nahrung stöbern, dann lassen sie sich so leicht überlisten wie kaum eine andere Fischart. Geht ihnen jedoch das Futter aus, so sind sie oftmals ebenso misstrauisch wie die gerissensten Karpfen, oder sie ziehen einfach weiter auf der Suche nach einem attraktiveren Futterplatz.

So musste ich mal wieder am eigenen Leibe spüren, dass nur die geeignete Anfütter-Strategie den großen Erfolg bringt.

Foto: Verfasser

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