Baden-Württemberg: Der Schluchsee

Traumhaft schön

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  • Anders als die meisten Talsperren wirkt der Schluchsee wie ein Naturgewässer. Aber sonst ist er ein typischer Stausee: voller großer Fische. Von Mathias Fuhrmann

  • An einem schönen Frühsommertag machte ich mich auf den langen Weg von Rügen in den Südwesten von Baden-Württemberg. Zusammen mit meinem langjährigen Freund und Wobblerbauer Gregor Babiarz sollte es eine Woche lang an verschiedene Gewässer im Schwarzwald gehen. Beginnen wollten wir unsere Tour auf dem Schluchsee. Er liegt 930 Meter über dem Meeresspiegel und ist die höchstgelegene Talsperre Deutschlands.

    Nachdem wir uns am Nachmittag in der Ortschaft Schluchsee ein Holzboot geliehen hatten, war unser erstes Ziel die so genannte Kaiserbucht - ein heißer Tipp besonders für Wurfangler. Diese sehr strukturreiche Bucht mit großen und kleinen Steinen, Inseln, Plateaus, Krautfeldern, überschwemmten Bäumen und Wiesen ist ganzjährig ein Hotspot für die Räuber des Schluchsees.

    Wer den Räubern im Schluchsee nachstellt, sollte immer eine große Auswahl an Kunstködern dabei haben.

    Landschaftlich ist es dort traumhaft schön, und wir fieberten dem ersten Biss entgegen. Als Köder setzten wir vorwiegend Wobbler aus dem Hause Hybrida ein, die Gregor selbst entwickelt und gefertigt hat. Zusätzlich versuchte ich mein Glück mit verschiedenen Gummifischen.

    Die Hauptzielfische in der mehr als sieben Kilometer langen und bis 60 Meter tiefen Talsperre sind Hechte, Zander und Barsche. Seeforellen kommen ebenfalls vor, vereinzelt auch Bach- und Regenbogenforellen. Felchen stellen neben dem guten Weißfischbestand die Futtergrundlage für die Räuber dar.

    Weil das Frühjahr im Hochschwarzwald spät beginnt, stehen die Hechte noch im Juni in der Nähe ihrer Laichplätze. Nicht selten sind sie dann im knietiefen Wasser auf den überschwemmten Wiesen mit flach laufenden Ködern zu überlisten. In den Tagen vor meiner Ankunft fingen Gregor und seine Freunde mit dieser Methode zahlreiche schöne Hechte. Der größte hatte eine Länge von 116 Zentimetern.

     

    Kann man vorzeigen: Patrick Strass mit strammem Hecht.

    Zielsicher ruderten wir auf die überfluteten Wiesen an der Fischerhütte und warfen die Köder aus. Doch leider passierte bis auf ein paar Attacken von kleinen Hechten nichts Außergewöhnliches. Schließlich hatte Gregor einen Nachläufer in Form einer großen Bugwelle. Leider jedoch verfehlte der Fisch den Köder und verschwand in einem gewaltigen Schwall.

    Den Angelfreunden im Nachbarboot erging es nicht viel besser. Sie arbeiteten sich genau wie wir vorsichtig am Ufer entlang, um die Hechte im flachen Wasser zu befischen. Im äußersten Winkel der Bucht, schon fast vor dem Bacheinlauf, erfolgte der ersehnte Biss. Ein halbstarker Esox hatte den Wobbler genommen. Nach nur wenigen Fluchten konnte er per Hand gelandet werden.

    Als wir zurückruderten, trafen wir auf die Besatzung eines anderen Bootes. Die Angler hatten mehr Petri Heil gehabt als wir. Stolz hielten sie einen über 90 Zentimeter langen Esox in die Kamera. Wieder einmal hatte der Schluchsee den Beweis erbracht, dass er ein richtig gutes Raubfischgewässer ist. Alljährlich werden Hechte in Längen von mehr als 130 Zentimetern erbeutet. Auch, was die Zander betrifft, wird von kapitalen Fischen berichtet. 2007 zum Beispiel hatte der größte eine Länge von 102 Zentimetern.

    Dieser kapitale Zander ging Hans-Jörg Gebhard im Schluchsee an den Wobbler.

    Um an die starken Hechte heranzukommen, wird in erster Linie das Schleppangeln betrieben. Dabei kommen zumeist tote Lauben an der Posenmontage zum Einsatz, die langsam über den See gezogen werden. Beste Erfolge versprechen auch Wobbler sowie die in Oberbayern entwickelte ASO-Methode in Kombination mit Castaic-Ködern.

    Auch die Seeforelle ist im Schluchsee heimisch und wird insbesondere im März und April erfolgreich beangelt. Köder Nummer eins dabei ist das Plansee-System mit Laube. Aber auch Blinker und Wobbler verführen die begehrten Salmoniden. Zu beachten ist, dass während der Hechtschonzeit nur mit Einzelhaken gefischt werden darf.

    Sehr gute Erfolgsaussichten bietet ebenfalls das Barschangeln. Die stacheligen Gesellen kommen sowohl in enormen Stückzahlen als auch hohen Gewichten vor. Beliebte Angelplätze befinden sich am Zufluss sowie am Seglersteg. Twister in Motoroil
    und Goldglitter sind Gregors Favoriten. Wenn er auf große Barsche fischt, bevorzugt er Wobbler. Während eines weiteren Törns zum Schluchsee versuchten wir unser Glück im flachen Bereich am Zufluss. Mit Jerkbaits, die sich extrem weit werfen lassen, suchten wir
    die überschwemmten Bereiche ab. Leider wiederum ohne Erfolg. Vermutlich hatten die extrem warmen Temperaturen der vergangenen Tage dazu geführt, dass sich die Fische ins tiefere Freiwasser verzogen. Zum „Fluchsee“ wurde der Schluchsee dennoch nicht: Die traumhafte Landschaft entschädigte für alles. Und vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. Fische jedenfalls gibt es reichlich.

    Auch Gregor Babiarz ist ein Kunstköder-Spezi, wie dieser schöne Barsch aus dem Schluchsee beweist.

    Gewässer-Check: Der Schluchsee

     

    Info und Guiding: Franzls Angelshop, Merianstr. 7, 79585 Steinen-Höllstein, Tel. 07627/30192, www.franzlsangelshop.de sowie Angelparadies & Fishing Tours, Hauptstr. 400, 79576 Weil am Rhein, Tel. 07621/ 1686220, www.wm-fishing.de

     

    Mindestmaße cm/Schonzeiten: Hecht 60/15.2.-15.5., Zander 50/ 1.4.-15.5., Aal 40/-, Seeforelle 50/ 1.10.-28.2., Quappe 30/1.11.-28.2., Bach- und Regenbogenforelle 50/ 1.10.-28.2., Karpfen 35/-, Schleie 25/15.5.-30.6., Felchen 30/15.10.-10.1.

     

    Lizenzen: Tag 9,50, Woche 22,50, Monat 44,50 Euro. Ausgabe: Kurverwaltung Schluchsee, Tel. 07656/ 7732 sowie Franzls Angelshop und Angelparadies & Fishing Tours.

     

    Bestimmungen: Zwei Ruten pro Angler und Tag. Nur Ruderboote. Schleppen ist erlaubt. Fangbegrenzungen: maximal zwei Fische der Arten Hecht, Zander und Forelle. Hegenen dürfen höchstens fünf Anbissstellen haben. In der Hecht- und Zanderschonzeit sind nur Kunstköder mit Einzelhaken gestattet.

     

    Lage: Im Südwesten Baden-Württembergs.

     

    Unterkünfte: Tourist-Information Schluchsee, Fischbacher Str. 7, 79859 Schluchsee, Tel. 07656/7732, www.schluchsee.de

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