Bayern: Die Urschlauer Ache

Ein Kristall mit roten Tupfen

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  • Ein Traum, dieser Angelplatz! Glasklares Wasser, stromauf eine Rausche, zur Rechten ein Einlauf. Plötzlich ein großer Schatten im Gumpen. Stuart ruft aufgeregt: „Was für ein U-Boot!“ Von Henning Stühring

  • Die mächtige Silhouette des Fisches ist in der Tat bemerkenswert. „Das glaubt mir keiner“, schießt es mir durch den Kopf, und ich halte aufgeregt mit der Filmkamera drauf. Jetzt erkenne ich sie: eine Regenbogenforelle - und was für eine! „Wie lang mag die sein?“ rufe ich Stuart zu. „70 Zentimeter hat die“, lautet seine Antwort. „Mindestens.“

    Ja, die Urschlauer Ache gilt nicht ohne Grund als eines der besten deutschen Fliegenfischerreviere. Besonders hervorzuheben ist der erstklassige Bestand an Bachforellen. Die Rotgetupften, in der Mehrzahl wilde Fische, dominieren den Salmonidenbestand, je weiter stromauf, desto mehr. Das Verhältnis von Bach- zu Regenbogenforellen beträgt laut Stuart „70:30“. Und der Mann muss es wissen. Schließlich ist der gebürtige Schotte Angelguide an der Urschlauer Ache.

     

    Die markanten Schatten verraten es - in den tiefen Rinnen stehen die großen Forellen.

    Ende Mai 2008 bin ich mit ihm in Ruhpolding verabredet. Um hier fischen zu dürfen, muss man zunächst im Ortnerhof einchecken. Denn der Hotel-Eigner bewirtschaftet die Urschlauer Ache. Karten werden nur an Hausgäste ausgegeben. Das ist überhaupt kein Problem, denn der 4-Sterne-Komfort, das atemberaubende Alpenpanorama und die ausgesprochene Gastfreundschaft der Familie Stegmeier allein sind schon eine Reise nach Südostbayern wert. Zudem bringt die Limitierung bei der Kartenausgabe durchaus Vorteile mit sich, wie Stuart zu berichten weiß: „Dadurch lastet ein vergleichsweise geringer Angeldruck auf dem Gewässer.“

    Wunschgemäß stellt der Ortnerhof Fliegenfischer-Gästen Stuart als erfahrenen Angelführer zur Seite. Nicht nur Einsteiger, auch Fortgeschrittene werden seine Kompetenz und die nette, bescheidene Art zu schätzen wissen.

    Mit gut fünf Kilometern ist die Strecke zwar recht überschaubar, sie hat es aber buchstäblich in sich. Wer gleich mal Bauklötze staunen möchte, sollte sich im Ortszentrum von Ruhpolding auf die Straßenbrücke stellen und seinen Blick stromauf richten. Rechterhand verläuft eine tiefe Rinne, in der sich mehr oder weniger dunkle Striche im glasklaren Wasser abzeichnen. Bei den „Schatten“ handelt es sich um die Silhouetten dutzender Forellen, die 30, 40, 50 und mehr Zentimeter messen. Wer meint, dass ich übertreibe, mag sich bitte die Filmaufnahmen auf der DVD, teils unter Wasser gedreht, ansehen...

    Die kurze Fluss-Strecke bietet noch einen weiteren Vorteil: Trübes, hohes Wasser, wie es andernorts durch kräftige Regenfälle schnell entsteht, hat man an der Urschlauer Ache kaum zu fürchten. Andererseits stellt der extrem sichtige Fluss auch hohe Ansprüche an den Angler. Denn wenn wir die Fische schon gut erkennen, werden uns die Flossenträger umso besser wahrnehmen. Erst genau beobachten, dann vorsichtig annähern, lautet eine der Grundregeln, um die vorsichtigen Wildforellen nicht gleich zu vergrämen. „Und immer stromauf waten!“, ergänzt Stuart.

    Ein traumhafter Platz für Fliegenfischer. Aber Achtung: Das glasklare Wasser lässt auch die Fische viel sehen...

    Wir passieren mehrere tiefe Rinnen, Einläufe und Gumpen. An fast allen Stellen landet Stuart seine Bachforellen auf die gekonnt servierte Trockenfliege. Im Bereich der Gumpen steigt der Schotte auf Nymphe um, damit auch die tiefer am Grund stehenden Salmoniden anbeißen. Bei der Wahl der Vorfachspitze sollte man einerseits die beachtlichen Fischgrößen, andererseits das sehr klare Wasser einkalkulieren. Stuart sagt: „An Stellen, an denen verstärkt mit Kapitalen zu rechnen ist, nehme ich 16er, ansonsten 14er Spitzen.“ Sagen wir mal so: Um die eingangs erwähnte Riesenforelle zu landen, wird das sicher immer noch nicht stark genug sein...

    Dass Stuarts Vorfach jedoch der richtige Kompromiss ist, um einerseits überhaupt eine herrliche Bachforelle an die Trockenfliege zu locken und andererseits auch sicher zu landen, beweist der zugewanderte Schotte Minuten später eindrucksvoll. Gut 40 Zentimeter misst die Schöne aus dem Fluss. Aber natürlich betont Stuart, dass er nicht allein wegen dieser Liebe nach Deutschland ausgewandert ist. „Dafür war vor 25 Jahren eine andere Schöne mit ein paar Zentimetern mehr verantwortlich“, sagt der sympathische Gentleman augenzwinkernd.

    Angelguide Stuart Moultrie hat eine der typisch gefärbten Bachforellen mit der Trockenfliege überlistet.

    Gewässer-Check: Die Urschlauer Ache

     

    Lage: Ruhpolding/Bayern. Neben der Urschlauer Ache können Karten für weitere Fliegenfischer-Reviere der Region (z.B. Weiße Traun) vermittelt werden.

     

    Saison: 1.4.-15.10.

     

    Lizenzen, Unterkunft, Infos: 4-Sterne-Hotel Ortnerhof mit Wellness-Komfort, Ort 6, 83324 Ruhpolding, Tel. 08663/88230, Fax 08663/8823 333, Internet: www.ortnerhof.de,
    E-Mail: hotel@ortnerhof.de. Die Wochenkarte kostet 128, die Tageskarte 25 Euro. Erlaubniskarten werden nur an Hotelgäste ausgegeben.

     

    Bestimmungen: Catch and Release, widerhakenlose Fliegen, keine Streamer.

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