Sachsen: Stausee Quitzdorf

Die Fundgrube

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  • Sicher. Es gibt viele gute Angelgewässer. Eins jedoch ist ganz besonders erwähnenswert: der Stausee Quitzdorf. Von Mathias Fuhrmann

  • An einem sonnigen, aber kühlen Tag Ende Oktober vergangenen Jahres traf ich mich mit mehreren Freunden am Quitzdorfer See in der Oberlausitz in Sachsen. Mit insgesamt vier Booten wollten wir den Raubfischen sowohl mit Kunst- als auch Naturködern nachstellen. Als Guide fungierte Jens Heidrich aus Zittau, mit dem ich bereits viele schöne Angeltage auf den Bodden verbracht habe.

    Zuhause in Mecklenburg-Vorpommern war ich sein Fischführer, hier, am Quitzdorfer Stausee, tauschten wir die Rollen, und er zeigte mir, wie und wo am effektivsten geangelt wird. Zander in Längen von 70 Zentimetern, berichtete er, werden regelmäßig erbeutet, und auch der eine oder andere Hecht ist fast immer dabei.

    Nachdem wir einen ausgedehnten Flachwasserbereich zwischen einer kleinen Insel und dem Ufer passiert hatten, wurde das Wasser zur Staumauer hin kontinuierlich tiefer. Dort, im Bereich der ansonsten relativ flachen Talsperre, versuchten wir unser Glück. Weil Jens in der Vergangenheit nicht nur mit Kunstködern, sondern ebenfalls mit Köderfischen äußerst erfolgreich war, hatten wir jede Menge Ausrüstung im Boot.

    Im alten Bachbett setzten wir den Anker und begannen, mit der Spinnrute zu fischen. Bereits nach kurzer Zeit kam Aufregung ins Nachbarboot, das die Freunde in der Nähe der Bojenkette verankert hatten. Ein ausgesprochen kämpferischer Hecht schlug das Wasser schaumig, konnte jedoch schon bald darauf gelandet werden. Stolz hielt der Fänger den über 80 Zentimeter langen Hecht in die Kamera. Er hatte dem angebotenen Köderfisch nicht widerstehen können.

     

    Stolz präsentiert Torsten Halang seinen soeben mit einem Gummifisch erbeuteten Hecht.

    Erfreut über den schnellen Erfolg, setzten Jens und ich unsere Bemühungen mit Gummifischen fort. Doch wieder waren es die Köderfischangler, die den nächsten Räuber drillten, den zweiten Hecht. Zwar war er mit 75 Zentimetern etwas kleiner als der erste, jedoch dick und rund. Ein wenig irritiert war ich schon, denn in der Regel erhielt ich mit Kunstködern wesentlich mehr Bisse als mit Naturködern.

    Zwar registrierten wir bis zum Mittag einige zaghafte Bisse, konnten die Fische jedoch nicht landen. Die Naturköderfraktion hingegen fing weitere Hechte. Den Vogel schoss Stefan ab, der am helllichten Tag einen 90 Zentimeter langen Raubaal mit einem Köderfisch erbeutete. Der Quitzdorfer Stausee ist weithin als sehr gutes Zandergewässer bekannt, in dem alljährlich Stachelritter mit Längen von mehr als 90 Zentimetern gefangen werden, aber an diesem Tag machten sie sich rar. Außer mit Köderfischen stellen ihnen die Einheimischen vorwiegend mit Gummifischen und Wobblern nach. Aufgrund von Unterwasserhindernissen ist jedoch mit gelegentlichen Hängern zu rechnen.

    Zu wahrhaft kapitalen Größen wachsen die Welse ab. Sie gelangten bei der Flutung aus in der Gegend befindlichen Fischteichen in den Stausee und haben sich prächtig entwickelt. Weil das Gewässer nicht mit weiteren Welsen besetzt wurde, ist ausschließlich der Altbestand vorhanden. Der größte erbeutete Waller hatte eine Länge von 1,92 Metern und wog 88 Pfund. Im Schnitt sind die Bartelträger 80 bis 100 Zentimeter lang. Alle gängigen Methoden bis hin zur Bojenmontage sind Erfolg versprechend.

    Welse? Durchaus! Der größte mit der Angel im Stausee Quitzdorf gefangene hatte eine Länge von 1,92 Metern.

    Als ich aufs Echolot schaute und seltsame Konturen sah, konnte ich mir zunächst keinen rechten Reim da-raus machen. Auf dem modernen Side-Imagine-Flächensonar wurden regelmäßige weiße Streifen angezeigt. Erst dachte ich an alte Straßen, aber es waren
    die Dämme zwischen den „vorsintflutlichen“ Fischteichen. In diesen Bereichen haben die Dämme einen härteren Boden, was insbesondere die Zander zu schätzen wissen. Auch auf dem 2D-Echolot waren die Dämme einwandfrei zu erkennen. Normalerweise allerdings
    ist der Boden im Stausee überwiegend schlammig.

    Weitere gute Angelstellen befinden sich an den Kanten ausgedehnter, versunkener Obstbaumplantagen. Des einen Freud, des anderen Leid: Die Flossenträger schätzen diese Bereiche, die Hängergefahr jedoch ist groß. Außer Hechten und Zandern werden ebenfalls schöne Aale erbeutet. Der stattliche Raubaal von Stefan war daher durchaus kein Ausnahmefang. Die größten Schlängler werden im Frühjahr und Herbst überlistet. Beste Köder sind kleine Fische sowie Tauwürmer.

    90 Zentimeter lang war der Raubaal, den Andreas Hildebrandt im Stausee erwischte.

    Auch Friedfischangler kommen am durchschnittlich drei Meter tiefen Stausee voll auf ihre Kosten. Brassen, Rotaugen und Rotfedern gibt es in Massen. Wer ihnen mit der Kopf-, Feeder- oder Matchrute nachstellt, wird nicht lange ohne Biss bleiben.

    Karpfenanglern winkt ebenfalls prächtige Beute. Spiegler wiegen im Schnitt 18 bis 20 Pfund, Einzelfische erreichen durchaus mehr als 30 Pfund. Schuppis bringen zumeist „nur“ 15 bis 18 Pfund auf die Waage. Weil an bestimmten Stellen mit Muscheln zu rechnen ist, empfiehlt sich der Einsatz von Schlagschnüren.

    Auch der Karpfen von Dirk Wunder kann sich sehen lassen.

    Aufgrund des vielen Holzes im Wasser ist klassisches Long-Distance-Angeln nicht empfehlenswert. Zu schnell kann sich ein Karpfen während des Drills festsetzen. Als beste Köder haben sich Boilies - im Sommer fruchtig, im Herbst fischig - herausgestellt. Weil die zwei- bis dreijährigen Satzkarpfen ziemlich vorwitzig sind, sollten die Durchmesser der Boilies nicht zu klein gewählt werden. Der Schleienbestand ist in letzter Zeit etwas zurückgegangen. Hierfür wird das zunehmend gute Welsvorkommen verantwortlich gemacht. Speziell Spinnfischer haben des Öfteren Kontakt zu Marmorkarpfen. Manchmal beißen sie auf die Kunstköder, werden jedoch ebenfalls unabsichtlich gerissen. Nicht selten erreichen die Asiaten Gewichte von 50 bis 60 Pfund.

    34 Pfund wiegt der Marmorkarpfen von Jens Heidrich. Lange kann er ihn nicht hoch halten.

    Leider gibt es in der Talsperre Quitzdorf aufgrund des flachen Wassers in warmen Sommern viele Blaualgen. Die Einschränkungen für Petrijünger sind nicht dramatisch, für den Badebetrieb dagegen schon.

    Der Stausee Quitzdorf dient der Wasserstandsregulierung der Spree, was Auswirkungen auf den Spreewald bis hin nach Berlin hat. Trotz dieser Aufgabe sind die Betreiber bemüht, den Wasserspiegel so gering wie möglich schwanken zu lassen. Dies führte dazu, dass sich Schilf ansiedeln konnte. Ein weiteres positives Zeichen, die Wasserqualität betreffend, ist der starke Zuwachs an Krebsen.

    Zurück zu unserem Angeltörn. Nachdem die Erfolge mit Kunstködern eher mäßig ausfielen, versuchten wir nachmittags unser Glück mit Köderfischen. Als Angelplatz wählten wir eine Stelle mit versunkenen Bäumen in ansonsten bewuchsfreiem Gebiet. Und dann dauerte es auch gar nicht lange, bis die Pose verschwand. Nach kurzer Wartepause schlug Jens an und landete einen schönen Hecht. „Na bitte. Es geht doch.“ Der Bann war gebrochen. Der Beginn einer richtig guten Beißphase.

    Nur wenige Augenblicke noch, dann ist der „Köderfisch-Hecht“ gelandet.

    Unmittelbar nach dem Foto erhält Esox die Freiheit zurück.

    Als wir uns am Abend im nahegelegenen Feriendorf trafen, hatten wir einen kapitalen Raubaal sowie neun Hechte in Längen zwischen 60 und 80 Zentimetern überlistet. Damit konnten wir durchaus zufrieden sein, auch wenn wir keinen einzigen Zander erwischten. Diese Scharte allerdings bügelten die Freunde einige Tage später aus, fingen mit Köderfischen gleich mehrere prächtige Stachelritter.

    Diesen 84 Zentimeter langen und neun Pfund schweren Zander überlistete Jens Heidrich mit einem Köderfisch.

    Der Stausee Quitzdorf

    Gewässer-Check Stausee Quitzdorf

     

    Informationen und Lizenzen: Angelzentrum Görlitz, Brautwiesenstr. 14, 02826 Görlitz, Tel. 035 81/ 318888, www.angelversum.de; Angelspezi Niesky, Am Brauweg 9, 02906 Niesky, OT See, Tel. 03588/ 208896. Bewirtschaftet wird der Stausee Quitzdorf von der KREBA Fisch GmbH, Hoyerswerdaer Str. 18, 02906 Kreba, Tel. 035893/ 6243.

     

    Gebühren: Tag ohne Nachtangelerlaubnis 10, mit 15 Euro. Woche ohne Nachtangelerlaubnis 20, mit 30 Euro.

     

    Mindestmaße cm /Schonzeiten: Hecht 50/1.2.-31.5., Zander 50/ 1.2.-31.5., Aal 40/-, Karpfen 40/-, Graskarpfen 60/-, Schleie 25/-, Rotfeder 20/-.

     

    Bestimmungen: Durch Bojen gekennzeichnete Abschnitte sind gesperrt. Bootsangeln nur mit E-Motoren. Echolote und Nachtangeln sind erlaubt, Schleppen verboten. Fangbegrenzung: fünf Barsche pro Angler und Tag.

     

    Unterkünfte/Boote: Touristinformation Niesky, Zinzendorfplatz 8, Tel. 03588/25580, www.niesky.de

     

    Lage: In der Oberlausitz in Sachsen, 20 Kilometer nordwestlich von Görlitz.

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